Fachschaft Philosophie
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Im Wintersemester 2020/21 angebotene Lektürekurse

Folgende Kurse sind für das Wintersemester 2020/21 bereits beantragt worden. Weitere können folgen. Bei Fragen oder Teilnahmeinteresse schreibt den Kursleiter*innen gerne eine Mail.

Henri Bergson – Gedächtnis und Materie

  • Kursleitung: Laura Bickel
  • E-Mail: laura.bickel.kg@gmail.com
  • Wann? Information wird nachgetragen
  • Wo? Information wird nachgetragen
  • Kursbeschreibung:

    In dem tutorierten Lektürekurs soll Henri Bergsons Werk „Gedächtnis und Materie“ studiert und diskutiert werden. In Auseinandersetzung mit der Psychologie und Hirnpsychologie seiner Zeit untersucht Bergson das philosophische Problem des Verhältnisses von Geist und Materie. Dabei reduziert er ›Materie‹ weder - idealistisch - auf reine Vorstellungen noch nimmt sie - materialistisch - als deren dinglichen Grund an, sondern sieht sie als eine Gesamtheit von ›Bildern‹, wobei er den Bildbegriff auf halbem Wege zwischen Ding und Vorstellung ansetzt und damit vor die Trennung von Existenz und Erscheinung zurückgeht. Mit Hilfe der empfohlenen Sekundärliteratur erarbeiten wir die Rolle des Gedächtnisses: Bergson versteht Gedächtnis nicht als ›mechanisches‹ Registrieren aufgenommener Inhalte, sondern als ›reines‹, lebendiges Gedächtnis, das sich einer geistigen, in der Vergangenheit entstandenen Bilderwelt bedient und der Dauer (durée) korrespondiert. Das auf Dauer ausgerichtete Gedächtnis verweist auf eine Selbstständigkeit des Geistes, die allerdings qua Handlung wieder auf den Körper zurückwirkt. Je nach Interesse der TeilnehmerInnen können die erarbeiteten Inhalte auf die aktuelle Forschung im Bereich der Philosophie des Geistes, z.B. embodied cognition, übertragen und diskutiert werden.

Von Konfuzius bis Zhu Xi: Eine Einführung in den Konfuzianismus von der frühen Antike bis ins 13. Jahrhundert

  • Kursleitung: Markus Haselbeck
  • E-Mail: markus_haselbeck@yahoo.de
  • Wann? Information wird nachgetragen
  • Wo? Information wird nachgetragen
  • Kursbeschreibung:

    Bereits seit über 2500 Jahren dominiert der Konfuzianismus nicht nur das Feld der chinesischen Philosophie, sondern ist in seiner philosophischen und religiösen Form zu einem der wichtigsten Traditionsbestände Ostasiens geworden. Mit ihrer ethischen Lehre von fünf Tugenden, dem Versuch der Rettung eines auseinanderbrechenden Reiches und der Anerkennung als Regierungsdoktrin des chinesischen Staates kam der Schule über die Antike hinweg immer eine besondere Rolle zu. Doch bildet diese auf den legendären Meister Konfuzius zurückgehende Lehre wirklich ein einheitliches Bild oder finden sich innerhalb der konfuzianischen Schule wiederum Diskurse und Streite? Gibt es gar Aneignungsversuche der Lehren anderer Schulen, seitens mancher Lehrer?
    Der Kurs versucht eine Einführung in die konfuzianischen Philosophie zu geben, ohne darin jedoch bei ihrem Begründer, Konfuzius, zu verweilen. Beginnend mit den chinesischen Klassikern soll der Weg von den Ursprüngen der Schule über die wichtigsten Lehrmeister der Antike bis ins späte Mittelalter verfolgt werden, als eine Reihe von Konfuzianern begann, ein neues, metaphysischeres Fundament unter ihre Philosophie zu bauen.
    Durch die Arbeit eng an den Primärtexten soll nicht nur ein Grundverständnis für die Lehren der Konfuzianer erlangt, sondern darüber hinaus auch die Fähigkeit erworben werden, klassische Argumentationsstrukturen und rhetorische Mittel zu erkennen und zu verstehen.
    Chinesischkenntnisse sind nicht notwendig, Englischkenntnisse allerdings integral, da einige der Quellen lediglich in englischer Übersetzung zur Verfügung stehen.

Probleme und Herausforderungen von Frauen im Alltag – in Kollaboration mit dem MAP

  • Kursleitung: Luna Lidl
  • E-Mail: l.lidl@campus.lmu.de
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  • Wo? Information wird nachgetragen
  • Kursbeschreibung:

    In der feministischen Lektüregruppe werden wir uns dieses Semester philosophisch mit alltäglichen Problemen und Herausforderungen von Frauen auseinandersetzen, wie zum Beispiel (Frauen-)Quoten, Leihmutterschaft und Problemen, denen speziell Transfrauen begegnen. Wir werden dazu einige Texte aus der feministischen Philosophie lesen und jede zweite Woche die Autor*In des besprochenen Textes über Zoom in die Sitzung einladen, sodass Fragen und Einwände direkt an die Verfasser*In gerichtet werden können. Die Gastsprecher*Innen werden einen kurzen Vortrag halten und dann wird es eine Diskussionsrunde geben. Das MAP-Chapter München wird sich um die Organisation der Gastbeiträge kümmern.
    Das Thema eröffnet einen Einblick in die aktuelle feministische Philosophie und gibt Gelegenheit, sich eingehend mit aktuellen moralischen und politischen Fragen des Feminismus zu beschäftigen. Wir werden untersuchen, welche Antworten die Philosophie auf alltägliche Probleme geben kann, und wie sie uns helfen kann, diese besser zu verstehen. In diesem Format der Kollaboration mit MAP bietet die Lektüregruppe zusätzlich die Möglichkeit, mit etablierten Philosoph*Innen in entspannter Atmosphäre in direkten Kontakt zu treten, und von ihnen zu lernen.
    Folgende Werke sollen u.a. (in Auszügen) gelesen werden:

    • Gheauş, A. (2016). The normative importance of pregnancy challenges surrogacy contracts. AnALize: Revista de studii feministe, (6 (20)), 20-31.
    • Straehle, C. (2016). Is there a right to surrogacy?. Journal of Applied Philosophy, 33(2), 146-159.
    • Bettcher, T. M. (2007). Evil deceivers and make‐believers: On transphobic violence and the politics of illusion. Hypatia, 22(3), 43-65.
    • Kershnar, S. (2019). Discounting Women’s Applications when Hiring. Philosophia, 1-34.
    • MacCallum, F., & Widdows, H. (2018). Altered images: Understanding the influence of unrealistic images and beauty aspirations. Health Care Analysis, 26(3), 235-245.

    Studierende jeden Standes und jedes Genders sind herzlich willkommen, auch gerne aus anderen Fachrichtungen.



Blockseminar: Kunstphilosophie

  • Kursleitung: Jasmine Schmauder
  • E-Mail: jasmine.schmauder@campus.lmu.de
  • Wann? Blockseminar in der vorlesungsfreien Zeit - Februar 2021
  • Wo? Information wird nachgetragen
  • Kursbeschreibung:

    Was macht ein Kunstwerk eigentlich so besonders? Was ist das Schöne und wie bilden wir uns ein Urteil darüber? Können wir durch Kunst etwas Neues lernen? Und wie beeinflusst Kunst die politische Sphäre?
    In dieser Lektüregruppe soll eine Vielfalt philosophischer Fragestellungen rund um das Thema Kunst zusammen diskutiert werden. Hierbei werden wir uns sowohl mit klassischer Literatur zur Ästhetik (Kant, Adorno, Benjamin) beschäftigen, als auch zeitgenössische, analytische Ansätze zur Hand nehmen. Durch die gemeinsame Lektüre diverser Auszüge werden wir unter anderem Begriffe wie Form, Ausdruck und Symbolik genauer beleuchten. Das Ziel der Lektüregruppe ist eine differenzierte Einführung in die Kunstphilosophie aus verschiedenen Perspektiven. Ein besonderer Fokus wird auf der Anwendung der Theorien auf beispielhafte Kunstwerke liegen, wobei ausreichend Raum für die Einbringung eigener Interessen der KursteilnehmerInnen gegeben sein wird.

Dworkin über Recht und Gleichheit

  • Kursleitung: Patrick Harman
  • E-Mail: Information wird nachgetragen
  • Wann? Information wird nachgetragen
  • Wo? Information wird nachgetragen
  • Kursbeschreibung:

    Ronald Dworkin war einer der bedeutendsten Rechtsphilosophen des 20. Jahrhunderts und hat mit der Begründung des Legal Interpretivism eine einflussreiche Alternative zum Rechtpositivismus einerseits und zur klassischen Naturrechtslehre andererseits formuliert. Im Anschluss an den Vers des griechischen Dichters Archilochos „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel eine große“ behauptet Dworkin, das Recht sei eine Angelegenheit für Igel: Es ist keine unzusammenhängende Ansammlung von einzelnen Rechtsbereichen, sondern zielt wesentlich auf eine strukturelle Integrität allgemeiner Prinzipien ab.
    Dementsprechend ist es die Aufgabe juristischer Interpretation, die einzelnen Normen des positiven Rechts so auszulegen, dass sie sich bestmöglich in eine Gesamtstruktur einfügen, in der sich die grundlegenden Rechtsprinzipien gegenseitig argumentativ stützen und dadurch die Struktur als Ganze rechtfertigen. Denn nur durch das Streben nach Integrität kann ein Rechtssystem das Versprechen einlösen, das ihm durch seine interne Logik eingeschrieben ist – die gleiche Berücksichtigung jeder Bürgerin und jedes Bürgers durch den Staat. Vor diesem Hintergrund formuliert Dworkin auch seine berühmt-berüchtigte right answer thesis, der zufolge das Recht eine geschlossene Ordnung ist, in der es für jede juristische Streitfrage genau eine richtige Antwort gibt.
    Wir wollen unsere Diskussion von Dworkins Rechtsphilosophie mit einem Blick auf die folgenschwere Hart-Fuller-Debatte beginnen, in der H. L. A. Hart und Lon L. Fuller – beide Dworkins akademische Lehrer – in den 1950er Jahren zum ersten Mal der Frage nachgegangen sind, ob sich aus der internen Struktur des Rechts Geltungsgründe ableiten lassen, die schwerer wiegen als Einzelnormen des positiven Rechts. Im Anschluss wollen wir Dworkins kritische Reaktionen auf Harts positivistische Rechtstheorie genauer betrachten, die in dem  Essayband Taking Rights Seriously gesammelt sind, sowie Harts Antwort darauf im Postskript seines Hauptwerks A Concept of Law.
    Gegen Ende des Semesters wollen wir Ausschnitte aus Dworkins späterem Werk, vor allem Law’s Empire, lesen. Als Abschluss bietet sich eine Diskussion darüber an, welche Konsequenzen sich aus Dworkins Theorie der Interpretation und besonders der right answer thesis für das spirituelle Selbstverständnis des Menschen ergeben; hierfür wollen wir Ausschnitte aus Dworkins letztem, postum veröffentlichten Werk Religion without God besprechen.
    Selbstverständlich dürfen die Teilnehmenden aber über den genauen Semesterplan mitbestimmen und auch eigene Vorschläge einbringen. Auch Studierende der Rechtswissenschaft sind als Teilnehmende herzlich willkommen.

„On Devil’s Journey?“ – Ursache, Grund und Wesen des Bösen

  • Kursleitung: Matthias Budesheim
  • E-Mail: M.Budesheim@campus.lmu.de
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  • Kursbeschreibung:

    „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen“ (Albert Einstein)
    Was ist aber das Böse? Was wäre, wenn das Böse eine Person wäre? Welche Frage würden Sie ihr stellen wollen? In diesem Lektürekurs wollen wir uns gemeinsam auf eine philosophische Reise begeben. Auf den Wegen des Bösen werden wir drei Etappen hinter uns lassen:
    1. Der Ursprung und die Ursache des Bösen
    2. Grund und Rechtfertigung des Bösen
    3. Wesen und Eigenschaften des Bösen
    Dieser Trias werden wir uns in einem religionsphilosophischen Gewand annehmen. Können wir von einem bösen Gott sprechen? Kann Gott mit dem Bösen in Verbindung gebracht werden? So lesen wir zu Beginn ausgewählte Texte von Thomas von Aquin und Leibniz. In unserem Hauptteil der Reise wenden wir uns aber Schellings Hauptwerk „Über das Wesen menschlicher Freiheit“ zu. Die Frage ist hier: Was hat das Böse mit Freiheit zu tun? Und als dritten Teil werden wir versuchen, die Gedanken Hannah Arendts über die „Banalität des Bösen“ nachzuvollziehen. Durch unsere vielfältige Lektüre werden wir unter anderem Begriffe wie Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit des Bösen beleuchten.
    Der Kurs wird jedoch viel Freiraum für etwaige philosophische Raststätten lassen und diese Exkurse werden von dem Interesse der Teilnehmer*Innen gestaltet. Ziel ist es eine kleine Einführung in die Theorien des Bösen zu geben. Ich freue mich auf ein reges Interesse, Philosophie mal anders zu erleben.

Kunst, Philosophie & Alltag: Alva Noës Ästhetik

  • Kursleitung: Korbinian Friedl
  • E-Mail: korbinian.friedl@posteo.de
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  • Kursbeschreibung:

    Wittgenstein sagt, "Ein philosophisches Problem hat die Form: ‚Ich kenne mich nicht aus.’" (PU §123)
    Wenn wir ein Kunstwerk betrachten, kann es durchaus auch vorkommen, dass unsere erste Reaktion in etwa die Form. "Hä?", "Was ist das?" oder "Ich kenn mich nicht aus" annimmt. Aber wenn wir uns auf es einlassen, vielleicht darüber nachdenken oder darüber reden, kann es für uns zu einer Gelegenheit werden, zu sehen, wo wir vorher nicht gesehen haben, können wir von einem Zustand des sich-verloren-Fühlens übergehen in einen des etwas-gefunden-Habens. See me if you can! ist laut Alva Nöë die Form eines Kunstwerkes. Es fordert uns heraus, es zu verstehen: etwas zu sehen, das uns zuvor verborgen war.
    Alva Noë ist ein zeitgenössischer Philosoph, dessen Werke im Zeichen einer enaktivistischen Sichtweise auf Phänomene wie Wahrnehmung und Bewusstsein stehen. Sie regen einen Perspektivwechsel weg vom engen Fokus auf das wahrnehmende Individuum (oder gar: das wahrnehmende Gerhirn / den wahrnehmenden ‚Geist’) an. Stattdessen wird z. B. das Bewusstsein als etwas konzeptualisiert, das wir als Wesen, die in einer sozial konstruierten Welt da sind, aktiv und kooperativ herstellen, indem wir mit einander und mit unserer Umwelt umgehen. Seinen Texten sind dabei die Einflüsse analytischer Methodologie ebenso anzusehen wie die der phänomenologischen Tradition.
    In diesem Lektürekurs wollen wir uns seinem Buch zur Ästhetik "Strange Tools" (2015) widmen. Darin entwirft er eine in unserem alltäglichen Leben gründende Beschreibung dessen, was wir tun, wenn wir Kunst schaffen oder erleben (...und nebenbei auch dessen, was wir tun, wenn wir Philosophie treiben!). Eine der Richtungen, aus denen Noë sich der Kunst nähert, habe ich am Anfang dieses Textes angerissen: Die Herausforderung See me if you can!
    Die Lektüre dieses Primärtextes wird ergänzt durch Texte von Maurice Merleau-Ponty, John Dewey und Stanley Cavell, die als wichtige Einflüsse und Wegbereiter für Noës Denken gelten können.
    Noës Text ist sehr einsteigerfreundlich geschrieben. Der Lektürekurs setzt keinerlei Vorwissen über Ästhetik, Philosophie des Geistes oder sonst etwas voraus! (Beherrschung des Englischen ist allerdings notwendig, da ich von keiner deutschen Übersetzung von "Strange Tools" weiß).

 

Alle Kurse werden ebenfalls im Vorlesungsverzeichnis zu finden sein.