Fachschaft Philosophie
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Philosophie-Wochenende

Das Philosophie-Wochenende kann dieses Jahr aufgrund des Infektionsgeschehens leider nicht wie gewohnt in Präsenz stattfinden. Ein online-Format als Ersatz ist in Planung, mehr Infos dazu folgen.Schon seit dem Sommer 2009 veranstalten wir jedes Wintersemester unser sehr erfolgreiches Philosophiewochenende. Dabei möchten wir allen interessierten Studierenden die Möglichkeit bieten, gemeinsam mit fortgeschrittenen Kommiliton*innen in konzentrierter Athmosphäre neue Themen zu erarbeiten.

Die Dozent*innen können in intensiver Arbeit mit einer interessierten Gruppe Themen bearbeiten, die ihnen am Herzen liegen, z. B. im Universitätsalltag (zu) wenig behandelte Themen oder ihre Bachelor- oder Masterarbeitsthemen. So besteht natürlich die Gelegenheit, Student*innen vom eigenen Thema zu begeistern, sowie die Möglichkeit, dass neue Ideen bezüglich dem Thema aufgebracht werden.

Die teilnehmenden Studierenden haben die Möglichkeit, ein ganzes Wochenende in Kleingruppen an neuen und/oder fortgeschrittenen philosophischen Fragestellungen zu arbeiten. Außerdem bleibt natürlich noch genug Freizeit, die Stadt, in der das Wochenende stattfindet, und die anderen Teilnehmer besser kennenzulernen.

Philosophie-Wochenende 2019

Das diesjährige Philosophie-Wochenende verbringen wir gemeinsam in Augsburg, um dort zwei Tage in gemütlicher Atmosphäre zu philosophieren, sowie Glühwein und gebrannte Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt zu genießen. Wie üblich gibt es vier von fortgeschrittenen Kommiliton*innen vorbereitete Kurse, von denen einer gewählt werden kann. In kleinen Gruppen soll dann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden. Bei Fragen erreicht ihr uns unter ruether.lukas@campus.lmu.de.

Die Kurse zu Nietzsche und Zizek finden auf Deutsch statt. Die anderen beiden auf Englisch oder Deutsch, abhängig von den Teilnehmenden. Hier gelangt ihr zum Anmeldeformular.

This year‘s Philosophy Weekend leads us to Augsburg where we will spend two days in a cozy atmosphere discussing philosophy and enjoying mulled wine and roasted almonds on the Christmas market. There will be four courses prepared by advanced fellow students, of which you can choose one. In small groups we will have intensive discussions about the course‘s topic. In case you have any questions, you can write to ruether.lukas@campus.lmu.de.

The courses on Nietzsche and Zizek will be in German. The other two in English or German, depending on the participants. You can register here.

Kursbeschreibungen:

 

Nietzsches »von den Vorurtheilen der Philosophen« – Patrick Stegemann


In kaum einen anderen Text gelingt es Nietzsche, einige seiner immer wiederkehrenden und einflussreichsten Gedanken — zur Philosophie- und Sprachkritik, der unauflösbaren Verschränkung von Moral und Erkenntnis, dem Wert der Wahrheit, Willen zur Macht, und dem Ich, das, sofern es existiert, stets nicht einer, sondern viele ist — so konzis darzustellen und auf wenigen Aphorismen durchsichtig zu machen, wie im ersten Hauptstück von „Jenseits von Gut und Böse“. Hierbei geht es Nietzsche zuletzt auch darum, die Vorurteile offenzulegen, auf denen alles bisherige Philosophieren beruhe, um sich selbst außerhalb desselben zu positionieren und eine befreitere „Philosophie der Zukunft“ vorzubereiten; eine Philosophie eben, die sich jenseits der herkömmlichen Werte von „Gut“ und „Böse“ bewegt. Aber selbst, wenn man Nietzsches Ideen, die auch heute noch oft als radikal gelten, nichts abzugewinnen vermag, provozieren seine „gefährlichen Vielleichts“ gerade aufgrund ihrer Andersartigkeit häufig eine Übernahme oder Ablehnung, die auf keine Gründe zurückgreifen braucht, und ermöglichen so einem Leser, durch die eigene Reaktion manchen Vorurteilen des eigenen Denkens erst gewahr zu werden. Uns wird also im Mindesten die Herausforderung geboten, die eigenen Ansichten auf die Probe zu stellen und vielleicht auch gegen Nietzsche einmal zu verteidigen. In diesem Kurs werden wir uns durch intensive Lektüre des ersten Hauptstücks von Jenseits von Gut und Böse ein Verständnis für die Grundpfeiler von Nietzsches Philosophieren erarbeiten und uns gemeinsam diesen schwerverständlichen und vielschichtigen Text näherbringen.

 

Liberatory Epistemologies – Agnes Striegan & Niklas Ernst


Her employer had been cornering her, forcing kisses on her, and deliberately brushing against her breasts when reaching for papers. But when Carmita Wood was asked to name the reason why she finally quit her job, all she could write on her unemployment insurance form was ‘personal’. In the 1970s, Wood lacked the concept of ‘sexual harassment’ to understand her experience, let alone describe it to others – she was suffering from what Miranda Fricker famously termed ‘hermeneutical injustice’: “the injustice of having some significant area of one’s social experience obscured from collective understanding owing to persistent and wide-ranging hermeneutical marginalization.”
Before Fricker’s landmark ‘Epistemic Injustice: Power and the Ethics of Knowing’ (2007), it had been largely ignored in epistemology that being social creatures means having our status as knowers shaped by societal power structures surrounding us. But it matters who has a voice and who doesn’t, who understands and who doesn’t, who is being understood and who isn’t.
Since Fricker’s kickstart, however, a lot of work has been done on the Ethics of Knowing, and the field has turned out as one of the most exciting intersections between liberatory activism and socially engaged philosophy. In this course, we want to explore the concept of ‘hermeneutical injustice’ in order to trace how it emerges from and can be further enriched by movements of liberation such as feminism, critical philosophy of race, decolonisation, disability studies, or queer epistemologies. A warning: We may be discussing graphic and/or distressing examples in these areas.
The literature we’ll be reading will be in English; depending on the participants, the course will be held in either English or German.

 

Zizek und warum er nicht zitiert werden darf, aber dringend zitiert werden sollte – Günseli Yilmaz


In diesem Kurs werden wir anhand von ausgewählten Textstellen untersuchen, warum Slavoj Zizek eine solche Kontroverse in der Philosophie erzeugte. Dieser Umstand beeinflusst seine Reputation bis heute. Zitieren von Zizek ist an der LMU beispielsweise nicht gerne gesehen. Nun fragt man sich insbesondere mit Blick auf seine Vita, ob es wirklich gute Gründe dafür gibt, einen Professor und eine viel publizierende Persönlichkeit wie Zizek nicht zu lesen, zu lehren, geschweige denn zu zitieren. Doch nicht nur in der bürgerlichen Akademia ist er verpönt, auch unter großen Teilen der Linken wird er stark für seine Äußerungen kritisiert. Ein näherer Blick lohnt sich alle Male, vor allem weil Zizek der bekannteste Marxist und Kommunist ist, einer der Wenigen, der den Zerfall der Sowjetunion ideologisch überlebte.

 

Embodied Cognition – Jan Zimmermann


In philosophy of mind, in in the post-Cartesian tradition, cognitive processes and mental states are relatively unquestionably located in the head, or more precisely in the brain. Where else should our mental life take place, anyway? With their ground-breaking essay “The Extended Mind” (1998), Andy Clark and David Chalmers questioned exactly this and thus triggered an intensive debate in the philosophy of mind and in cognitive science about whether cognitive processes take place in the brain alone or are realised in the body or even in the environment.
In this course, we first want to get an overview of what the thesis of embodied cognition means and how it differs from classical ideas in the philosophy of mind and cognitive science. We will then address the question of what relationship must exist between cognitive processes and their material realisers for these processes to be embodied (or even extended into the environment). Is a causal relationship sufficient – how I move affects how I think? If I look up an address in my notebook, or use my smartphone to briefly inform myself about Aristotle, are notebook and smartphone part of the cognitive process, then?
If we will still have some spare time, at the end of the course we can take a look at a theory that promises to shape cognitive science (and thus the science-informed part of philosophy of mind too) for at least the next decade: Predictive Coding.